Ein volles Haus und viel Engagement für die Windkraft!

Die 150 Sitzplätze im Klösterle in Weil der Stadt, waren belegt und den letzten Gästen blieben die Stehplätze. Der  interkommunale Arbeitskreis Bürgerwind Heckengäu der Renniger Agenda 21 hatte am Dienstag 9.4.24 zusammen mit der Arbeitsgruppe Energieforum des Vereins Miteinander+Füreinander in Weil der Stadt zum Thema “Bürger können Windkraft?!” eingeladen.Die Veranstaltung wurde von Angie Weber-Streibl aus Leonberg moderiert. Auch sie ist aktiv im Bürgerwind Team und Regionalrätin im Verband Stuttgart. 2007/2008 wurden die ersten Bürger-Solaranlagen von den Gründern des Energieforums in Betrieb genommen. Seit 2019 engagieren sich die Weiler Bürger verstärkt für das Energiesparen und die Umstellung auf erneuerbare Energien.

Jule Lenz brachte die öffentliche Diskussion mit ihrem Poetry Slam “Von Windrad-Wut zu Rotorblatt-Romantik” auf den Punkt:  Es erfordert Umdenken und Akzeptanz in Sachen Windkraft – vor allem im Süden. Dies unterstrich auch Peter Seimer, MdL, Bündnis90/Die Grünen, Wahlkreis Leonberg, in seinem Grußwort an die Anwesenden.

„Wir haben bei uns im Landkreis noch keine Windkraft und bislang keinen Genehmigungsantrag vorliegen“, erklärte Martin Wuttke, 1. Landesbeamter im Kreis Böblingen, zuständig für das Verfahren. Im aktuellen Teilregionalplan Windenergie gibt es 32 Standortvorschläge im Landkreis und vieler Orts laufen die Diskussionen bzw. auch die Vorarbeiten zur Antragsstellung – mal mit mehr positiver und mal mit weniger Bürgerbeteiligung. Die Ausweisung der Windvorrangflächen muss der Regionalverband bis zum 31.09.2024 beschließen, um in Zukunft eine sichere Kontrolle über den Bau der Windräder zu behalten.

Marek Steiff von der S+H GmbH berichtete über bereits erfolgreiche Bürgerwindparks im Odenwald  Schon im Jahr 2000 wurden dort die ersten drei Windenergieanlagen aufgebaut. Zwischenzeitlich sind 19 Windparks erfolgreich  in Betrieb gegangen. Er berichtete, was es alles bei der Beantragung eines Windparks zu beachten gibt. Wichtig für ihn: eine transparente Kommunikationsstrategie und frühe Einbindung aller Interessenvertreter. Heutzutage muss das Eigenkapital über unabhängige Onlineplattformen angeworben werden. Ein Beteiligungsprospekt mit Angaben zur erwarteten Rendite ist die Voraussetzung. Kennzeichnend für die Bürgerwindparks ist, dass die Wertschöpfung vor Ort bleibt.

Der Arbeitskreis Bürgerwind Heckengäu der Renninger Agenda 21 wurde Anfang 2023 gegründet und hat 23 Mitglieder und über 250 Unterstützer. Ziel des Arbeitskreises ist es, interkommunale Windparks in Bürgerhand zu planen, zu bauen und zu betreiben. Mit einer GmbH & Co. KG sollen die Bürger an den Gewinnen des Windparks als Gesellschafter direkt beteiligt werden. Neben der Bewerbung um Bauflächen der Stadt Renningen unterstützt der Arbeitskreis auch Windparkprojekte in den umliegenden Kommunen. Eine Zusammenarbeit mit Weil der Stadt liegt auf der Hand für den Fall, dass der Bürgerentscheid am 9. Juni 2024 positiv ausfällt. Erste Gespräche mit der Stadtverwaltung waren positiv. “Weil der Stadt strebt eine Treibhausgasneutralität bis 2040 an” führt Helmut Schulenberg-Schell aus, “baut und plant derzeit Freiflächen-PV-Anlagen für etwa 1300 Haushalte”. Windenergie ist die einzige sinnvolle Ergänzung angesichts des Verbrauchs von 61 GWh im Jahr für Haushalt und Gewerbe und bei minimalem Flächenverbrauch.”

Ohne Projektierer kommt auch der Arbeitskreis “Bürgerwind Heckengäu” nicht aus. Er hat einen Partner gesucht und wurde mit der inhabergeführten Firma Uhl Windkraft aus Ellwangen fündig. Wenn der Arbeitskreis einen Zuschlag einer Stadt erhält und „wenn es Schritt für Schritt zum Bürgerwindpark optimal läuft“, wie Alexander Kessler vom Arbeitskreis in seinem Vortrag ausführt, könnte schon 2028/2029 Strom lokal aus Windenergie in Bürgerhand produziert werden.

In der Diskussion ergab sich eine breite Zustimmung angesichts der Veränderungen beim Klima und in der weltpolitischen Lage. Zusätzlicher Informationsbedarf besteht vor allem in den Nachbargemeinden, z.B. in Heimsheim und Simmozheim hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und anderer Fragen. Die Veranstalter hoffen, dass sich nun noch mehr Bürger für die erneuerbaren Energien vor Ort engagieren.